TinTin, 2017

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1. Juni — 1. Juli, 2017
TinTin Patrone
Reign of Error

In den Performances und Installationen der Künstlerin und Musikerin Tintin Patrone finden sich zahlreiche Elemente von Fluxus und Dada. Sie tritt sowohl als Solo-künstlerin in Aktion als auch mit ihren Projekten Krachkisten Orchester oder Musicmotorcycle Club, in denen das Kollektiv zum Produzenten teils geplanter teils improvisierter Handlungsabläufe wird. Die Konzerte, Aufführungen, Eingriffe und Aktionen unterscheiden sich –vor Allem auch was das Verhältnis zwischen Publikum und Produzent(en) betrifft, je nachdem ob es sich bei dem Ort des Geschehens um öffentlichen Raum handelt oder ob die Kunst in einem Theater, Ausstellungshaus oder Schrebergarten stattfindet.

In der Galerie Conradi entstand am Eröffnungsabend als Ergebnis der Performance ein improvisierter Elektrosound, der sich wie eine collagenartige Komposition aus drei einzelnen Parts entwickelte und immer mehr verdichtete. Tintin Patrone trat als Alleinunterhalterin in wechselnden Bühnensituationen auf. Trotz unüberhörbarer Geräuschproduktion und visueller Mittel zur Erregung der Aufmerksamkeit wurde jede Kontaktaufnahme zum Publikum allerdings vermieden. In sich versunken generierte die Künstlerin verschiedene Sounds, die als leicht bis stark verzerrte Fragmente live aufgezeichnet und gesampelt wurden. Vom anwesenden Publikum nicht weiter Notiz nehmend, nutzte sie den Galerieraum als Studio, als Bühne –beziehungsweise Kulisse. Selbstreferentialität traf auf Komik, wenn popkulturelle sowie kunstbezogene Elemente verarbeitet wurden und dabei zwischen den Settings und Perspektiven gewechselt wurde.
Der Ausstellungsgegenstand blieb flüchtig, eine Handlung, die sich solange die Künstlerin agierte in der Entstehung befand, zunehmend laut und komplex wurde und mit dem Applaus verschwand. Zu besichtigen waren außerdem verschiedene mögliche künstlerische Selbstdefinitionen: die Künstlerin als Comedian, ausgestattet mit Teleprompter, die Künstlerin als Musikerin, ausgestattet mit einem ALDI-Tüten-Dudelsack, die Künstlerin als Fluxus-Künstlerin auf der Leiter, frei nach George Brecht’s Drip Music.

Tintin Patrone wurde 1983 in Marburg geboren. Sie studierte an der Hochschule für bildende Künste bei Korpus & Löffler, Haegue Yang, Matti Braun und lebt zurzeit in Hamburg. Neben Auftritten im Golem und im Golden Pudel Club in Hamburg tourt sie durch Deutschland und Europa und kooperiert dabei mit unterschiedlichen internationalen Künstlerinitiativen und Performancekunst Netzwerken.