Thomas Jeppe, 2014

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Thomas Jeppe
Lost in Connotation
9. September – 25. Oktober 2014

Lost in Connotation ist der Titel der zweiten Einzelausstellung von Thomas Jeppe in der Galerie Conradi. Raumgreifend und in Himmelblau gestrichen, gibt die offene Architektur der Pergola (Soziale Skulptur 1, 2) eine Strukturierung des Ausstellungsraumes vor, die von den Skulpturen und Bildern als eine Anordnung korrespondierender Elemente aufgenommen wird. Der Malerei gegenübergestellt verweist ein baulicher Eingriff im Galerieraum als spezifischer lokaler Bezug (The Bench) auf eine persönliche soziale Praxis des Künstlers im urbanen Kontext. The Bench ist inhaltlicher Drehpunkt der Ausstellung und wird in dem zur Eröffnung erscheinenden Essay erläutert:

One of our basic community practices is Benching, a ritual of critical disengagement in a fixed civic ambiance. Benching involves playful-deconstructive behaviour and awareness of psychosociological situations, and is thus quite different from the classic notions of relaxation and recuperation.
(...) from a Benching point of view cities have psychosociological contours, with constant currents, fixed points and vortexes that strongly encourage stopping at certain zones. But Benching includes both this letting-go and its necessary contradiction: the domination of psychosociological variations by the knowledge and calculation of their possibilities. In this latter regard, social theatre, despite the narrow public space to which it limits itself, provides abundant evocative data. The ecological analysis of the absolute or relative character of fissures in the urban network, of the role of micro-climates, of distinct neighbourhoods with no relation to administrative boundaries, and above all of the dominating action of centres of attraction, must be utilised and completed by this psychosociological method. The objective passional terrain of the Bench must be defined in accordance both with its own logic and with its relations with social morphology.
(Manuel Bürger & Thomas Jeppe, Theory of the Bench, 2014)
* (Théorie de la Dérive, Guy Debord, In: Internationale Situationniste #2, Paris, December 1958).

Der Essay, eine Aneignung des Textes von Guy Debord von 1958, stellt Konzepte der Situationistischen Internationale in den Zusammenhang mit der vom Künstler und seinem Umfeld praktizierten Rückeroberung des öffentlichen Raums. Eine anarchistische Publikation aus dem Zürich der siebziger Jahre liefert ein für die Ausstellung zentrales Bildmotiv: die Weltkugel am Stock, als blinder Mann – aus ihrem ursprünglichen Kontext gelöst und als allegorische Figur in das Referenzsystem der Ausstellung übertragen, wird die vorwärtsgewandte Welt zur Illustration einer Kritik der Kulturproduktion: Lost in Connotation. Der öffentliche Raum als Ort sozialer Interaktion (The Bench) und der Club (The Club) als beispielhafter, mentaler und physischer Erlebnis- und Erfahrungsraum bilden die Ausgangspunkte für übergeordnete kulturtheoretische Fragestellungen. Während die Malerei der Darkroom-Bilder durch Reduktion und Klassik bis ins Theatralische getrieben wird, bieten die Architekturelemente der Ausstellung eine aktive Teilnahme an.

Thomas Jeppe (*1984) wurde vom Sazmanab Centre for Contemporary Art nach Teheran eingeladen, wo er im März 2015 eine Einzelausstellung zeigen wird. Unter den zahlreichen internationalen Ausstellungen des in Melbourne und Berlin lebenden Künstlers sind außerdem die Installationen im Museum of Contemporary Art in Sydney (2013), Die Diele in Zürich (2014) sowie im Oktober bei SALTS in Basel und SKETCH in London zu erwähnen.